Göttingen. Was im August 2016 als Schulprojekt an der BBS II in Göttingen gestartet ist, hat sich mittlerweile zu einem Vorzeigeprojekt mit bundesweiter Strahlkraft entwickelt: Für die Entwicklung und Verbreitung des zu 100 Prozent recycelbaren Pfandbechers Fair-Cup zeichnet die NRW-Verbraucherzentrale die Berufsbildende Schule am Freitag, 27. April, im Rahmen des Deutschen Ressourceneffizienzprogramms „ProgRess“ als „Ressourcen-Schule“ aus. Für die Preisverleihung, die von 11.30 bis 13 Uhr in der BBS II stattfindet, konnte FairCup-Gründerin und BBS-Lehrerin Sibylle Meyer einen in Sachen Pfand nicht unerfahrenen Ehrengast gewinnen: den Göttinger Bundestagsabgeordneten und ehemali-gen Bundes-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne).


Das System des FairCups ist denkbar einfach: Statt einen der rund 2,8 Milliarden To-Go-Becher zu nutzen, die laut Deutscher Umwelthilfe Jahr für Jahr im Müll landen, kauft der Verbraucher seinen Kaffee im vollständig recycelbaren FairCup. Den gibt es mittlerweile in rund 80 Annahme- und Abgabestellen in Göttingen – in verschiedenen Größen und Farben. Zudem ist der FairCup der bundesweit erste und bislang einzige Becher, den die Verbraucher an Pfandautomaten zurückgeben können. Die ersten dieser Automaten stehen im REAL-Markt am Lutteranger.

Für Sibylle Meyer ist der FairCup längst zu einer Herzensangelegenheit geworden, in die sie viel Zeit und Engagement steckt. Unterstützt wird die Gründerin dabei unter anderem vom SüdniedersachsenInnovationsCampus (SNIC): Bei Fragen zum Material konnte sie auf die Expertise von Technologieberater Dr. Peter Oswald zählen, und die SNIC-Referenten Dr. Mark Euler und Dennis Brüntje am Zentrum für Entrepreneurship der PFH Private Hochschule Göttingen beraten die Unternehmerin bei ihrem Vorhaben, das Start-up künftig noch stärker am Markt zu etablieren.
Auf diesem Weg hat FairCup jüngst einen großen Schritt getan: Das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie verbannt ab Mai sämtliche Einweg-Becher aus seiner Kantine und setzt stattdessen auf den fairen Pfandbecher aus Göttingen. „Je mehr sich anschließen, desto besser“, wirbt Sibylle Meyer, „denn mit dem FairCup leisten Verbraucher auch einen wichtigen Beitrag zum Arten-, Klima-, Ressourcen- und Umweltschutz.“ Denn sowohl Becher als auch Deckel bleiben ohne Abstriche dem Wertstoffkreislauf erhalten. Dafür verzichtet der FairCup unter anderem auf eine Bedruckung. „Die Farbe würde den Rohstoff verunreinigen“, erklärt die FairCup-Gründerin. Stattdessen werden sämtliche Design-Elemente in den spülmaschinenfesten Kunststoff gestanzt.
Beliebig austauschbare Trink- und Verschlussdeckel sorgen darüber hinaus dafür, dass der FairCup nicht nur ein Mehrweg-, sondern auch ein Mehrzweckbecher ist: So lässt sich der FairCup neben dem obligatorischen Kaffee für unterwegs auch als Behälter für Obst, Joghurt oder Speiseeis nutzen. „Perspektivisch kann der FairCup so auch im immer größer werdenden Unverpackt-Sortiment der Supermärkte zum Einsatz kommen“, blickt Sibylle Meyer voraus.
Von der Auszeichnung erhofft sie sich einen weiteren Schub für das Projekt, das vor gut eineinhalb Jahren durch eine Initiative ihrer Schüler ins Leben gerufen wurde: Eine 13. Klasse an der BBS II war auf der Suche nach einer spannenden Idee für ihre Projektmanagement-Aufgabe. Also machten sich die angehenden Gestalter, IT-Fachleute und Elektriker unter Anleitung von Sibylle Meyer daran, den FairCup zu entwickeln – inklusive eines Online-Verwaltungssystems, das einen Überblick über die im Umlauf befindlichen Becher ermöglicht und den Annahme- und Abgabestellen ein faires und schnelles Pfandclearing garantiert.
Die Auszeichnung RessourcenSchule wird vom Bundes-Umweltministerium gefördert und ehrt bundesweit Schulen für ihren Einsatz für den Ressourcenschutz. Über die Vergabe entscheidet eine Jury.

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